Hieronymus

„Parce mihi, Domine, quia Dalmata sum (Verzeiht mir, Herr, denn ich bin ein Dalmatiner)!“

Der wohl herausragendste Übersetzer in der Geschichte ist Sophronius Eusebius Hieronymus (cca. 331 oder um 342 – 420), später als hl. Hieronymus bekannt, obwohl er niemals offiziell heilig gesprochen wurde.
Hieronymus war in der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache sehr bewandert. Er verfasste zahlreiche Briefe, Übersetzungen, exegetische, historische und theologische Schriften. Insbesondere übersetzte er das Alte Testament aus dem Hebräischen und Griechischen sowie das Neue Testament aus dem Griechischen ins Lateinische neu. Die „Vulgata“ galt lange Zeit als die allgemein gebräuchlichste und vollständigste lateinische Bibelübersetzung, die er seinerzeit im Auftrag des Papstes in einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten aus Urtexten und unstimmigen Übersetzungen fertig stellte und gilt als die „Krone seiner Schöpfung“.

Interessant ist Hyeronymus’ Geburtsort: Stridon (heute Štrigova, Kroatien), an der Grenze der römischen Provinzen Dalmatien und Pannonien.

Schon damals war die Übersetzungsvorlage wichtig. Geschichtliches und Sprachliches ist Hieronymus’  Brief an Papst Damasius zu entnehmen: (Zitatauszug)

„Du zwingst mich, ein neues Werk aus einem alten zu schaffen, gleichsam als Schiedsrichter zu fungieren über Bibelexemplare, nachdem diese [seit langem] in aller Welt verbreitet sind, und, wo sie voneinander abweichen, zu entscheiden, welche mit dem authentischen griechischen Text übereinstimmen. Es ist ein Unterfangen, das ebenso viel liebevolle Hingabe verlangt, wie es gefährlich und vermessen ist; über die anderen zu urteilen und dabei selbst dem Urteil aller zu unterliegen; in die Sprache eines Greises ändernd einzugreifen und eine bereits altersgraue Welt in die Tage ihrer ersten Kindheit zurückzuversetzen. Wird sich auch nur einer finden, sei er gelehrt oder ungelehrt, der mich nicht, sobald er diesen Band [die Überarbeitung der Evangelien] in die Hand nimmt und feststellt, dass das, was er hier liest, nicht in allem den Geschmack dessen trifft, was er einmal in sich aufgenommen hat, lauthals einen Fälscher und Religionsfrevler schilt, weil ich die Kühnheit besaß, einiges in den alten Büchern zuzufügen, abzuändern oder zu verbessern?
Zwei Überlegungen sind es indes, die mich trösten und dieses Odium auf mich nehmen lassen: zum einen, dass du, der an Rang allen anderen überlegene Bischof, mich dies zu tun heißest; zum anderen, dass, wie auch meine Verleumder bestätigen müssen, in differierenden Lesarten schwerlich die Wahrheit anzutreffen ist. Wenn nämlich auf die lateinischen Texte Verlass sein soll, dann mögen sie bitte sagen: Welchen? Gibt es doch beinahe so viele Textformen, wie es Abschriften gibt. Soll aber die zutreffende Textform aus einem Vergleich mehrerer ermittelt werden, warum dann nicht gleich auf das griechische Original zurückgehen und danach all die Fehler verbessern, ob sie nun auf unzuverlässige Übersetzer zurückgehen, ob es sich bei ihnen um Verschlimmbesserungen wagehalsiger, aber inkompetenter Textkritiker oder aber einfach um Zusätze und Änderungen unaufmerksamer Abschreiber handelt? … Ich spreche nun vom Neuen Testament: … Matthäus, Markus, Lukas, Johannes; sie sind von uns nach dem Vergleich mit griechischen Handschriften – freilich alten! – überarbeitet worden. Um jedoch allzu große Abweichungen von dem lateinischen Wortlaut, wie man ihn aus den Lesungen gewohnt ist, zu vermeiden, haben wir unsere Feder im Zaum gehalten und nur dort verbessert, wo sich Änderungen des Sinns zu ergeben schienen, während wir alles übrige so durchgehen ließen, wie es war.“

Hieronymus

(Vorrede zum Neuen Testament; zit. nach A. M. Ritter, Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Bd. 1 – Alte Kirche, S. 181 f.; im Original bei J. P. Migne, Patrologiae cursus completus, series Graeca (MPG) 29, Sp. 525 ff.)“

Viele berühmte Maler der Weltgeschichte nahmen sich seiner Person an:

Michelangelo Caravaggio malte um 1606 das berühmte Bild: „Hieronymus in der Höhle“, Lucas Cranah der Ältere im Jahr 1502 „Hieronymus als Büßer“, Giovanni Bellini 1505 „Hieronymus liest in der Landschaft“, Albrecht Dürer um 1495 „Hieronymus in der Wildnis“ und Marinus van Reymersvaele 1541 „Hieronymus als Bibelübersetzer“ und Peter Paul Rubens 1625 Hieronymus in Kardinalstrecht“.

Er nahm seine Theologie und die Auslegung sehr ernst, interpretierte mal den einen oder anderen Meinungsunterschied manchmal als persönliche Beleidigung. Er galt als sehr temperamentvoll, reagierte gerne auch polemisch – und pflegte dabei zu sagen: „Parce mihi, Domine, quia Dalmata sum (Sei mir gnädig, Herr, weil ich Dalmatiner bin)“.